kritische Psychologie / Kritische Psychologie

Reflektierende Perspektiven auf die Psychologie gibt und gab es schon seit mehreren Jahren, dazu hier ein kurzer Differenzierungsversuch von kritische Psychologie mit kleinem “k” und Kritischer Psychologie mit großem “K” mithilfe einer Selbstdarstellung der Kritischen Psychologie bzw. des Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis e.V..

Unter kritische Psychologie wird eine allgemeine kritische Haltung gegenüber der (akademischen) Psychologie zusammengefasst. Der Begriff ist wenig spezifisch und wird vor allem im englischsprachigen Raum (critical psychology) verwendet. In Deutschland, oder besser gesagt: in deutscher Sprache, gibt es hierzu nicht sonderlich viel. Beiträge zu critical psychology beschäftigen sich mit diversen Inhalten, sind mehr oder weniger kritisch und werden eher vereinzelt veröffentlicht. Zwei Journale, die critical explizit im Titel führen: Annual Review of Critical Psychology, The Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy herausgegeben von PCCS Books, UK

Selbstdarstellung der Kritischen Psychologie
(Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis e.V.):

Die Kritische Psychologie ist ein Forschungsansatz, der ab den späten 1960er Jahren an der FU Berlin entwickelt wurde und später auch in anderen Städten sowie international Beachtung fand. Vertreterinnen und Vertreter der Gründungsgeneration waren bzw. sind Klaus Holzkamp (1927-1995), Wolfgang Maiers, Morus Markard, Ute Osterkamp, Gisela Ulmann und viele andere. Die Kritische Psychologie ist zum einen eine Kritik am nomothetisch orientierten Mainstream-Psychologie sowie an konservativen Zügen der Psychoanalyse Freuds, die sich insbesondere in dessen Kultur- und Triebtheorie finden; zum anderen umfasst die Kritische Psychologie eine eigenständige Konzeption zur Fundierung psychologischer Grundbegriffe sowie der darauf aufbauenden Forschung und Praxis. Ein zentrales Theorem ist die „gesellschaftliche Natur“ des Menschen, also der Umstand, dass die Fähigkeit und Notwendigkeit, an der Schaffung und Gestaltung von Gesellschaften teilzuhaben, ein naturgeschichtliches Resultat ist. Philosophisch und gesellschaftswissenschaftlich steht die Kritische Psychologie in der von Marx und Engels begründeten materialistischen Forschungstradition. Gegen die Verabsolutierung der „Fremdbeobachtung“ durch den Mainstream setzt sie eine „Psychologie vom Subjektstandpunkt“, die das Verhältnis von gesellschaftlichen Bedingungen und subjektiven Interessen bzw. Handlungsgründen nach Möglichkeit zusammen mit den jeweils Betroffenen so zu rekonstruieren versucht, dass Anpassungstendenzen erkennbar und auf individueller sowie gesellschaftlicher Ebene überwindbar werden. Die Zeitschrift der Kritischen Psychologie ist das 1978 gegründete Forum Kritische Psychologie, das seit 2018 unter dem Namen Forum Kritische Psychologie – Neue Folge erscheint.
Webseite: kritische-psychologie.de